Unerhörte Prophezeiung

Propheten haben zu allen Zeiten ihre Mitmenschen beeindruckt. Sie haben erreicht, dass viele sich aufgemacht haben und zumindest zeitweise bereit waren, ihr Leben grundsätzlich zu ändern. Johannes, der Cousin von Jesus, gilt als Prototyp eines Propheten. Sein Lebensstil war ein Protest gegen die üblichen Lebensformen der Gesellschaft: »5 Aus dem ganzen Gebiet von Judäa und aus Jerusalem strömten die Leute in Scharen zu Johannes hinaus, bekannten öffentlich ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen. 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und um die Hüften einen Ledergurt; er lebte von Heuschrecken und dem Honig wilder Bienen. 7 Er kündigte an: »Nach mir kommt der, der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht einmal gut genug, mich zu bücken und ihm die Schuhe aufzubinden.« (Markus 1,3-5, Übersetzung Gute Nachricht) Diese Episode beschreibt, wie er auftrat und wie er predigte. Seine Sprache war knapp und klar, erstellte seine Zuhörer vor die Entscheidung: Entweder du veränderst jetzt etwas in deinem Leben oder du wirst untergehen! Johannes fordert die Konsequenz, die er selbst schon lebt. Als Prophet ist er gnadenlos zu sich und zu seinen Zuhörerinnen und Zuhörer. 
Es muss sich nicht irgendwann etwas ändern, sondern sofort, je länger man wartet, umso schlimmer wird es noch. Das ist eine Botschaft, die zu Herzen geht. Es ist unerhört, was er sagt, weil er die Entscheidung und letzte Konsequenz jetzt fordert. Wenn man ihm so zuhört, kann man auch gar nicht anders, als sofort mit dem neuen Leben zu beginnen. Propheten sind überzeugend. Doch schon im Weggehen dürften manchen Zweifel an ihrem Entschluss gekommen sein. Ist es wirklich so gut, jetzt schon so konsequent zu leben? Vielleicht probiere ich es doch noch einmal anders. So wird die ungeheuerliche Botschaft auf eine andere Art und Weise unerhört, weil kaum jemand sie hören will. Auch das ist typisch für Propheten: Ihr Ruf wird gehört, aber er bleibt unerhört, alles bleibt vorerst mal, wie es ist.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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