Landesvater oder Despot

Ein Mann mit orientalischem Kopfschmuck, es muss jemand Bedeutendes sein. Und so ist er wohl ein Herrscher, vielleicht König Ahab, der mit seiner Frau Isebel das Königreich Juda mit harter Hand regiert. Seine Regentschaft war durchwachsen, die Auseinandersetzungen mit dem Propheten Elia zeugen von einem Streit, der immer wieder neue Nahrung bekommen hat. Besonders als es um die Frage nach der Verehrung des Gottes Baal ging. Seine Frau hatte diesen Kult mitgebracht und setzte alle Hebel in Bewegung, um einen Gegenpol zur Verehrung des jüdischen Gottes zu setzen. Schließlich setzte sich Elia durch und konnte die Verehrung von Baal grausam zurückweisen. Die Frage die sich uns heute dazu stellt ist: Was darf ein König tun? Oder anders gefragt: Wann ist ein König ein guter König? Elia weist immer wieder darauf hin, dass die entscheidende Frage die nach der Gerechtigkeit ist.
Ein orientalischer König hatte zunächst einmal für sein Land zu sorgen. Die griechische  Bezeichnung für einen König lautet »Basileios«, übersetzt das »Haupt des Volkes«. Deshalb muss ein König zunächst einmal für das Volk da sein, für es sorgen, wie ein Hirte für eine Herde. Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wieviele Herrscher hatten (und haben) nur den eigenen Vorteil im Blick und scherten sich nicht um die Bedürfnisse des Volkes? Sind sie Hüter für ihr V
olk oder beuten sie es aus, dass am Ende eine Elite in Saus und Braus lebt, die Masse aber darbt und Hunger leidet? Es ist eine Frage, der sich alle Regierenden stellen müssen, ob sie als Landesvater oder -mutter für die Menschen da sind oder ob sie mit Gewalt über die Menschen herrschen wollen. Es wäre zynisch, zu sagen, dass jedes Volk die Herrschenden hat, die es verdient, man würde den Kleinen und Schwachen im Volk nicht gerecht werden. Wenn die Herrschenden nicht kontrolliert werden, ist der Schritt zum Despoten nicht groß. Elia hat das gespürt und ist, sobald er es erkannt hatte, eingeschritten. Vorbildlich!
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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