Aneinander vorbei

Dieses Relief am Noah-Turm zeigt etwas ganz Typisches für unsere Zeit. Wahrscheinlich hat sich das schon Ende der 70er Jahre, als Emil Wachter dieses Relief entwarf, abgezeichnet. Zwei Menschen haben zwar engen Kontakt zueinander, doch sie schauen in entgegengesetzte Richtungen. Ihre beiden Köpfe sind auch noch um 180 Grad verdreht, so dass sie die Welt unterschiedlich wahrnehmen, die eine schaut nach unten, der andere nach oben. Schließlich sind ihre Augen nicht sichtbar, es scheint, als tragen sie Brillen. Sie können die Welt nicht wirklich wahrnehmen, es ist zu vermuten, dass es Sonnenbrillen sind. Es sind zwei Menschen, die zwar eng beisammen sind, aber doch so weit wie irgend möglich von einander getrennt. Sie können sich nicht unterhalten, es gibt nichts, das sie verbindet. Vielleicht sind es die Menschen, die nicht mehr auf Gott und aufeinander hören und sich nach dem Bericht aus dem Buch Genesis von Gott abgewandt haben: »5 Der HERR sah, dass die Menschen auf der Erde völlig verdorben waren. Alles, was aus ihrem Herzen kam, ihr ganzes Denken und Planen, war durch und durch böse.« (Genesis 6,5, Übersetzung Gute Nachricht) Für Gott war es Anlass, die Verhältnisse neu ordnen und einen Neuanfang zu setzen.
Dieses Relief stellt eine Grundbedingung der Menschheit dar. Es ist schwer den Kontakt untereinander zu halten. Wie bleibt man in Verbindung, wenn man sich nicht mehr in die Augen schauen kann? Wie schafft man gegenseitiges Verständnis, wenn man nicht mehr zuhören kann? Wie überwindet man Einsamkeit, wenn das Herz nicht mehr zum Herzen sprechen kann? Was bleibt, wenn unsere Welt, in der alles Kopf steht, in der Menschen egoistisch nur noch für sich leben, die einzig lebbare Alternative bleibt? Kein Wunder, dass da nur noch eine große Flut helfen kann und ein Neuanfang als einziger Ausweg bleibt.
 Die Geschichte der Sintflut ist ein Mythos, es wird beschrieben, warum etwas so ist, wie es ist, und wie es geändert werden kann. Noah baut eine Arche und kann die Menschheit und die Tiere retten, so dass ein Neuanfang möglich ist. Wenn wir hier eine Beschreibung für uns moderne Menschen sehen, wie könnte der Neuanfang für uns aussehen? Wie kann man Einsamkeit, Verständnislosigkeit und Beziehungslosigkeit überwinden? Neuanfänge brauchen kreative Impulse. Wo sind sie?
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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