Ewige Weihnacht

Wir feiern jedes Jahr Weihnachten. Mit großer Verlässlichkeit kommt das Fest, ganz gleich, wie weit wir mit unseren Vorbereitungen sind, Weihnachten kommt, sicherer als das Amen in der Kirche. Unsere Kalender sind ja auf Jahre hinaus mit diesem Termin schon belegt. Diese Gewissheit hat etwas Entlastendes und Beruhigendes. Es liegt nicht an uns und an unserem Tun, dass Weihnachten werden kann. Diese Regelmäßigkeit weist auf etwas Besonderes hin. Nicht nur, dass Weihnachten jedes Jahr kommt, sondern auch darauf, dass es kommen muss. Was wäre der Jahresablauf ohne Weihnachten? Zugegeben, es gibt Menschen, die froh sind, wenn der Trubel vorbei ist, die blinkenden Lichter der Weihnachtsbeleuchtung abgebaut, das Geklimpere der Weihnachtsmärkte verklungen und die Überreste des Festes versorgt sind. Ohne Weihnachten würde etwas fehlen, nicht nur ein notwendiges Fest. Wir brauchen die Idee von Weihnachten, den Gedanken dass Gott Mensch wird und das nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern immer wieder, am besten täglich oder gar stündlich, ja in jedem Augenblick.
Von Angelus Silesius, dem barocken Dichter, wird ein Sinnspruch überliefert: »Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren Und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.« (Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, Buch I, Vers 61) Der Dichter lässt durchblicken, dass Menschwerdung ein ständiges Geschehen ist, das am besten in alle Ewigkeit als ständiger Prozess stattfindet. Und nicht nur in Bethlehem, sondern in jedem Menschen! Das ist ein Verständnis von Ewigkeit, dass sich auf unsere Gegenwart bezieht und alles einbezieht, was unser Leben ausmacht. 
Menschwerdung kann nicht überschätzt werden, Menschlichkeit ist eine Eigenschaft, die unsere Zeit mehr als alles andere braucht. Sie in den Mittelpunkt zu stellen ist die Grundbotschaft von Weihnachten. Da geht es nicht um einen Knaben im lockeigen Haar, sondern um einen Wert, der jeden von uns angeht und um den wir nicht herum kommen. Jede und jeder von uns ist aufgerufen, Menschlichkeit zu leben. Jedem von uns muss Menschwerdung ein großes Anliegen sein, denn oft sind wir meilenweit davon entfernt. Erst, wenn es uns gelingt, immer und überall Menschwerdung durchzusetzen, dann kann wirklich Weihnachten sein, ewiges Weihnachten eben.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Perspektiven öffnen

Eine auf den ersten Blick unverständliche Darstellung am Mose-Fries an der Autobahnkirche. Zwischen Mose und seiner Schwester Miriam findet sich eine Konstruktionszeichnung, in der auf der Fläche ein tiefer Raum aufgezogen wird. Möglich wird das durch die Konstruktion eines Fluchtpunktes, die die Malerei zur Zeit der Renaissance revolutioniert hat. Mit einem Fluchtpunkt erreicht man eine Perspektive und die Fläche bekommt räumliche Tiefe. Es ist der Versuch in der zweiten Dimension das darzustellen, was wir als dreidimensional wahrnehmen. Genau genommen ist es eine Sinnestäuschung. Mit der angeblichen Tiefe gewinnen wir eine neue Perspektive. Die vier Flächen um das Rechteck in der Mitte haben eine Funktion. Durch die leeren Trapeze, die Längs- und Querschraffur wird der Blick automatisch auf die Mitte gelenkt und zwar hinter die Mitte, die man nicht sieht, auf die Linien aber zulaufen. Der räumliche Eindruck wird verstärkt. Der Fluchtpunkt wird zum Fokus, an dem sich alles ausrichtet.
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